BVerfG · 2. Senat

BVerfG, Urteil v. 18.03.2014 – 2 BvE 6/12, 2 BvR 1390/12, 2 BvR 1421/12, 2 BvR 1438/12, 2 BvR 1439/12, 2 BvR 1440/12, 2 BvR 1824/12

2 BvE 6/12, 2 BvR 1390/12, 2 BvR 1421/12, 2 BvR 1438/12, 2 BvR 1439/12, 2 BvR 1440/12, 2 BvR 1824/12 · 18.03.2014 · Quelle: rechtsprechung-im-internet.de

Amtlicher Leitsatz

1. Durch die Haftungsbegrenzung nach Artikel 8 Absatz 5 des Vertrages zur Einrichtung des Europäischen Stabilitätsmechanismus in Verbindung mit Anhang II des Vertrages sowie durch die gemeinsame Auslegungserklärung der Vertragsparteien des ESM-Vertrages vom 27. September 2012 (BGBl II S. 1086) und die gleichlautende einseitige Erklärung der Bundesrepublik Deutschland (BGBl II S. 1087) ist hinreichend sichergestellt, dass durch den Vertrag zur Einrichtung des Europäischen Stabilitätsmechanismus keine unbegrenzten Zahlungsverpflichtungen begründet werden. 2. Der Gesetzgeber ist mit Blick auf die Zustimmung zu Artikel 4 Absatz 8 des Vertrages zur Einrichtung des Europäischen Stabilitätsmechanismus verpflichtet, haushaltsrechtlich durchgehend sicherzustellen, dass die Bundesrepublik Deutschland Kapitalabrufen nach dem Vertrag zur Einrichtung des Europäischen Stabilitätsmechanismus fristgerecht und vollständig nachkommen kann. 3. Artikel 32 Absatz 5, Artikel 34 und Artikel 35 Absatz 1 des Vertrages zur Einrichtung des Europäischen Stabilitätsmechanismus stehen in der Auslegung der Erklärungen vom 27. September 2012 einer hinreichenden parlamentarischen Kontrolle des Europäischen Stabilitätsmechanismus durch den Deutschen Bundestag und seiner umfassenden Unterrichtung nicht entgegen. 4. Die haushaltspolitische Gesamtverantwortung des Deutschen Bundestages setzt voraus, dass der Legitimationszusammenhang zwischen dem Europäischen Stabilitätsmechanismus und dem Parlament unter keinen Umständen unterbrochen wird. Da der Beitritt neuer Mitglieder zum Europäischen Stabilitätsmechanismus nach Artikel 44 in Verbindung mit Artikel 5 Absatz 6 Buchstabe k des Vertrages zur Einrichtung des Europäischen Stabilitätsmechanismus einen einstimmigen Gouverneursratsbeschluss erfordert, besteht die Möglichkeit sicherzustellen, dass die gegenwärtig gegebene und verfassungsrechtlich geforderte Vetoposition der Bundesrepublik Deutschland auch unter veränderten Umständen erhalten bleibt.

Amtlicher Leitsatz, wörtlich übernommen. Amtliche Werke sind nach § 5 Abs. 1 UrhG gemeinfrei.

Zitierte Normen

Art 20 Abs 1 GGArt 20 Abs 2 GGArt 23 Abs 1 GGArt 23 Abs 2 S 1 GGArt 38 Abs 1 S 2 GGArt 79 Abs 3 GGArt 109 GGArt 109a GGArt 112 GGArt 115 Abs 3 GGArt 143d GG§ 63 BVerfGG§ 64 BVerfGG§ 90 Abs 1 BVerfGGArt 123 Abs 1 AEUVArt 123 Abs 2 AEUVArt 125 AEUVArt 126 Abs 2 S 2 Buchst b AEUVArt 126 Abs 2 S 3 AEUVArt 136 Abs 3 AEUVESMAEUVBesG§ 4 Abs 1 ESMFinG§ 5 Abs 2 S 1 ESMFinGAnh 2 ESMVtrArt 4 Abs 8 ESMVtrArt 5 Abs 6 Buchst k ESMVtrArt 8 Abs 5 ESMVtrArt 9 ESMVtrArt 32 Abs 5 ESMVtrArt 34 ESMVtrArt 35 S 1 ESMVtrArt 44 ESMVtrESMVtrGArt 4 Abs 2 S 1 EUArt 48 Abs 3 UAbs 1 S 2 EUArt 48 Abs 3 UAbs 2 EUArt 48 Abs 6 EUEUBes 199/2011Art 3 Abs 2 WWUStabVtrArt 5 WWUStabVtrArt 7 Abs 1 WWUStabVtrArt 8 Abs 1 WWUStabVtrWWUStabVtrG

Prüfungsschemata dazu

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