BVerfG · Zivilrecht
Bürgschaft naher Angehöriger
1 BvR 567/89 · 1993-10-19
Leitsätze
Bei strukturell ungleichen Verhandlungspositionen führt eine sittenwidrige Bürgschaft, die den Schuldner finanziell krass überfordert, zur Nichtigkeit nach § 138 Abs. 1 BGB.
Die Zivilgerichte müssen aufgrund der grundrechtlichen Schutzpflicht (Art. 2 Abs. 1 GG i.V.m. Sozialstaatsprinzip) die Sittenwidrigkeit unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Auswirkungen prüfen.
Sachverhalt
Eine junge, vermögenslose Frau hatte für die Geschäftsschulden ihres Vaters eine Bürgschaft über DM 100.000 unterschrieben. Sie war damit auf Lebenszeit zur Schuldnerin einer existenzvernichtenden Summe geworden.
Zitierte Normen
Prüfungsschemata dazu
Begriffe, die hier eine Rolle spielen
SittenwidrigkeitWucherTeilnichtigkeitVerstoß gegen ein gesetzliches VerbotKollusionLaesio enormisRechtshindernde EinwendungSicherungszessionGlobalzessionBürgschaftAkzessorietät (der Bürgschaft)Bürgschaft auf erstes AnfordernGarantie (als persönliche Sicherheit)Intertemporale FreiheitsrechteGesetzesvorbehaltSchutzpflichtenAllgemeine HandlungsfreiheitVerfassungsmäßige Ordnung