BVerfG · 1. Senat
BVerfG, Beschluss v. 19.10.2022 – 1 BvN 1/21
1 BvN 1/21 · 19.10.2022 · Quelle: rechtsprechung-im-internet.de
Amtlicher Leitsatz
1. Das Verfassungsgericht eines Landes hat nach Art. 100 Abs. 3 GG die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts einzuholen, wenn es mit einem seine Entscheidung tragenden abstrakten Rechtssatz zu einer bestimmten, die Auslegung des Grundgesetzes betreffenden Frage, von einem ebensolchen Rechtssatz in einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts oder des Verfassungsgerichts eines anderen Landes abweichen will. Liegen zugleich die Voraussetzungen einer Vorlage nach Art. 100 Abs. 1 GG vor, kann das Landesverfassungsgericht wählen, welchen Weg es einschlagen will (vgl. BVerfGE 36, 342 <356>). 2. Die zur Klarstellung des Vorlagegegenstands im Rahmen von Art. 100 Abs. 1 und 2 GG entwickelten Maßstäbe, nach denen das Bundesverfassungsgericht befugt ist, eine Vorlagefrage zu ergänzen, zu erweitern, auszudehnen oder umzudeuten, sind auf Vorlagen nach Art. 100 Abs. 3 GG übertragbar. Die Beantwortung einer erweiternden Vorlagefrage, für die kein eigenständiger Vorlagegrund besteht (vgl. BVerfGE 96, 345 <359 f.>), kommt nur in Betracht, wenn wenigstens eine der gestellten Vorlagefragen die Voraussetzungen des Art. 100 Abs. 3 GG erfüllt.
Amtlicher Leitsatz, wörtlich übernommen. Amtliche Werke sind nach § 5 Abs. 1 UrhG gemeinfrei.
Zitierte Normen
Art 28 Abs 1 GGArt 80 Abs 1 S 2 GGArt 100 Abs 1 GGArt 100 Abs 3 GGArt 103 Abs 2 GG§ 85 BVerfGGCoronaVSonderV TH§ 28 Abs 1 S 1 IfSG§ 32 S 1 IfSGArt 44 Abs 1 S 2 Verf TH
Prüfungsschemata dazu
Begriffe, die hier eine Rolle spielen
RepublikprinzipRechtsstaatsprinzipBundesstaatsprinzipSozialstaatsprinzipSatzungVerfassungsautonomie der LänderHomogenitätsgebotSatzungRepublik(Bayern) Eigener WirkungskreisAllzuständigkeitPersonalhoheitFinanzhoheitPlanungshoheitSatzungsautonomieAngelegenheiten der örtlichen GemeinschaftRechtsverordnungRechtsverordnung