Strafrecht · Definition

Hypothetische Einwilligung

§ 223 StGB§ 228 StGB

Was versteht man unter „Hypothetische Einwilligung“?

Im Arztstrafrecht entwickelte (umstrittene) Rechtsfigur: Bei einem Aufklärungsmangel entfällt die Strafbarkeit wegen Körperverletzung, wenn der Patient bei ordnungsgemäßer Aufklärung ebenfalls in den Eingriff eingewilligt hätte. Es fehlt dann am Zurechnungs- bzw. Pflichtwidrigkeitszusammenhang.

Rechtsprechung zu diesen Normen

Lederspray-EntscheidungBGH 2 StR 549/89 · BGHSt 37, 106

Amtliche Fundstellen

Höchstrichterliche Entscheidungen zu den einschlägigen Normen, mit amtlichem Leitsatz. Quelle: Bundesjustizministerium, gemeinfrei nach § 5 Abs. 1 UrhG.

BGH 4. Strafsenat 4 StR 495/24Urteil vom 10.04.2025 · zu § 223 StGB

Zur dauerhaften und erheblichen Entstellung gemäß § 226 Abs. 1 Nr. 3 StGB bei einer Gesichtstätowierung.

Volltext beim Bundesjustizministerium ↗
BGH 5. Strafsenat 5 StR 157/20Beschluss vom 11.06.2020 · zu § 223 StGB

Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte und versuchte Körperverletzung können zueinander im Verhältnis der Tateinheit stehen; Gesetzeskonkurrenz besteht nicht.

Volltext beim Bundesjustizministerium ↗

Gesetzestext

§ 223 StGB · Körperverletzung

(1) Wer eine andere Person körperlich mißhandelt oder an der Gesundheit schädigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (2) Der Versuch ist strafbar.

§ 228 StGB · Einwilligung

Wer eine Körperverletzung mit Einwilligung der verletzten Person vornimmt, handelt nur dann rechtswidrig, wenn die Tat trotz der Einwilligung gegen die guten Sitten verstößt.

Amtlicher Wortlaut. Maßgeblich ist die jeweils geltende Fassung im Bundesgesetzblatt.

Wird geprüft in

Körperverletzung / Gefährliche KV (§§ 223, 224 StGB)Delikte gegen die Person · Prüfungsschema ansehen →

Verwandte Begriffe

TatbestandsirrtumVerbotsirrtumErlaubnistatbestandsirrtumTatherrschaftMittelbare TäterschaftMittäterschaft
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