BVerfG · 1. Senat

BVerfG, Urteil v. 25.03.2014 – 1 BvF 1/11, 1 BvF 4/11

1 BvF 1/11, 1 BvF 4/11 · 25.03.2014 · Quelle: rechtsprechung-im-internet.de

Amtlicher Leitsatz

1. Die Zusammensetzung der Aufsichtsgremien der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ist gemäß Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG am Gebot der Vielfaltsicherung auszurichten. Danach sind Personen mit möglichst unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungshorizonten aus allen Bereichen des Gemeinwesens einzubeziehen. a) Der Gesetzgeber hat dafür zu sorgen, dass bei der Bestellung der Mitglieder dieser Gremien möglichst unterschiedliche Gruppen und dabei neben großen, das öffentliche Leben bestimmenden Verbänden untereinander wechselnd auch kleinere Gruppierungen Berücksichtigung finden und auch nicht kohärent organisierte Perspektiven abgebildet werden. b) Zur Vielfaltsicherung kann der Gesetzgeber neben Mitgliedern, die von gesellschaftlichen Gruppen entsandt werden, auch Angehörige der verschiedenen staatlichen Ebenen einbeziehen. 2. Die Organisation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks muss als Ausdruck des Gebots der Vielfaltsicherung dem Gebot der Staatsferne genügen. Danach ist der Einfluss der staatlichen und staatsnahen Mitglieder in den Aufsichtsgremien konsequent zu begrenzen. a) Der Anteil der staatlichen und staatsnahen Mitglieder darf insgesamt ein Drittel der gesetzlichen Mitglieder des jeweiligen Gremiums nicht übersteigen. b) Für die weiteren Mitglieder ist die Zusammensetzung der Aufsichtsgremien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks konsequent staatsfern auszugestalten. Vertreter der Exekutive dürfen auf die Auswahl der staatsfernen Mitglieder keinen bestimmenden Einfluss haben; der Gesetzgeber hat für sie Inkompatibilitätsregelungen zu schaffen, die ihre Staatsferne in persönlicher Hinsicht gewährleisten.

Amtlicher Leitsatz, wörtlich übernommen. Amtliche Werke sind nach § 5 Abs. 1 UrhG gemeinfrei.

Zitierte Normen

Art 5 Abs 1 S 2 GG§ 76 BVerfGGArt 10 MRK§ 1 RdFunk1991VtrG BBRdFunkÄnd15StVtr HARdFunkÄndStVtr15 RPArt 3 RdFunkEinhStVtr BYArt 1 Abs 1 RdFunkGebStVtr SH 1991§ 1 RdFunkStVtr1991G RPArt 1 Abs 1 RdFunkStVtr1991G SLArt 1 § 1 Abs 1 RdFunkStVtrG BRArt 1 § 1 RdFunkStVtrG BWArt 1 Abs 1 RdFunkStVtrG ND§ 1 Abs 1 RdFunkStVtrG TH 1991§ 1 RdFunkuaStVtrG BEArt 3 RdFunkVtr 1991Art 1 Abs 1 RdFunkVtr1991G HAArt 1 RdFunkVtr1991G HEArt 1 RdFunkVtr1991G SNArt 1 Abs 1 RdFunkVtr1991G ST§ 1 Abs 1 RdFunkVtrG MV§ 21 Abs 1 ZDFStVtr HA vom 21.12.2010§ 21 Abs 3 S 1 ZDFStVtr HA vom 21.12.2010§ 21 Abs 3 S 2 ZDFStVtr HA vom 21.12.2010§ 21 Abs 4 ZDFStVtr HA vom 21.12.2010§ 21 Abs 6 ZDFStVtr HA vom 21.12.2010§ 21 Abs 8 S 2 ZDFStVtr HA vom 21.12.2010§ 21 Abs 10 S 2 ZDFStVtr HA vom 21.12.2010§ 22 Abs 1 ZDFStVtr HA vom 21.12.2010§ 24 Abs 1 ZDFStVtr HA vom 21.12.2010§ 24 Abs 3 S 2 Alt 1 ZDFStVtr HA vom 21.12.2010§ 25 Abs 2 ZDFStVtr HA vom 21.12.2010§ 26 Abs 1 S 2 ZDFStVtr HA vom 21.12.2010§ 26 Abs 3 S 1 Halbs 2 ZDFStVtr HA vom 21.12.2010

Prüfungsschemata dazu

Meinungsfreiheit (Art. 5 Abs. 1 S. 1 GG)

Begriffe, die hier eine Rolle spielen

GesetzesvorbehaltMeinungTatsachenbehauptungSchmähkritikTatsachenbehauptung (Abgrenzung zum Werturteil)
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