Zivilrecht · §§ 145 ff. BGB

Zustandekommen eines Vertrags

Du arbeitest einen echten Fall durch, Schritt für Schritt: erst selbst, dann die Auflösung. 5 Aufgaben, am Ende eine eigene Klausur mit Punktzahl.

5 Aufgaben an einem Fall

M ist ein Schlagersänger, der seine größten Hits bereits gefeiert hat und eine Scheidung verkraften musste. Trotzdem versucht er, an alte Erfolge anzuknüpfen. Um wieder an Reichweite zu gewinnen, präsentiert er sich mit seiner neuen Freundin, der 16-jährigen L, auf verschiedenen sozialen Internetplattformen. Dazu stellt er Bilder und Videos von sich und L ein.

Am 10.1.2022 hat er die Idee, mit L vor einem hochpreisigen Auto zu posieren und die angefertigten Bilder und Videos hochzuladen. Da er allerdings erhebliche Steuerschulden hat, kommt der Erwerb eines solchen Fahrzeugs nicht in Betracht. Er besucht daher die Internetseite des Autoverleihers A. Diese ist so aufgebaut, dass zunächst alle Angaben zum Tag und der Zeit vom Interessenten in eine Maske eingegeben werden müssen. Sodann wird man auf die zur Verfügung stehenden Fahrzeuge weitergeleitet. Bei jedem noch zur Verfügung stehenden Fahrzeug gibt es den Button „kostenpflichtig bestellen“. Der Nutzer erhält nach Klicken auf den Button eine automatische Bestätigung des Eingangs der Bestellung und nach Überprüfung der Angaben durch A eine Zusage der Bestellung per Mail.

M wird auf einen Pick-Up der Marke RAM aufmerksam. Dieser soll 269 € kosten. Da M jedoch abgelenkt ist, klickt er versehentlich auf den Button für das Fahrzeug Aston Martin DBX für 569 €. Als M die Zusage der Bestellung liest, erkennt er seinen Fehler. Da M sich lieber der Weiterentwicklung seines Internetprofils widmen will, bittet er L noch am gleichen Tag, sich der Sache anzunehmen und den Fehler zu korrigieren. Wie sie dabei vorgeht, ist M vollkommen egal. L schreibt einen Brief an A, in welchem sie ihm den Irrtum des M erläutert. Sie erklärt im Namen des M, dass er sich nicht mehr an den Vertrag gebunden fühle. Sie wirft den Brief in den Postkasten, hatte ihn aber nicht zureichend frankiert. Am 12.1.2022 weigert sich A, das Nachporto zu entrichten, sodass der Brief am 13.1.2022 wieder zurück zur L gelangt.

L will nun ganz sichergehen und schickt A am 14.1.2022 den Inhalt des Briefs über den Messengerdienst Telegram. A, der seinen Telegram-Account sowohl über seine Website als auch auf seinen geschäftlichen Dokumenten zur Kommunikation anbietet, schreibt L umgehend zurück, dass ihm die Erklärung in dieser Form nicht genüge. Er kenne L gar nicht und könne überhaupt nicht nachprüfen, ob sie tatsächlich für M handeln dürfe.

Erst eine Woche später berichtet L dem M von den Vorkommnissen. M will sich nun selbst um die Sache kümmern und ruft am 24.1.2022 bei A an und erklärt sein Versehen. A versteht das, meint aber, dass man doch am Telefon nicht einfach rechtsgeschäftlich etwas erklären könne. A besteht daher weiterhin auf Zahlung der 569 € gegen Überlassung des Aston Martin DBX.

  1. Tipp die Prüfungsschritte in der Reihenfolge an, in der du sie im Gutachten prüfst.

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